14.06.2016

Von fließenden Wassern und freudigen Farben

Selfie und ökologisch sinnvolle Resteverwertung für individuelle Mode im Atelier freiart.

Die Künstler*innen im Kreativ.Quartier Lohberg luden zum sommerlichen open house mit interaktiver Kunst und improvisierten Klängen in ihre Ateliers ein.

„Kucken kostet nix“, hieß der Beitrag von Walburga Schild-Griesbeck zum open house am zweiten Juniwochenende, aber das Motto galt auch wie gewohnt für alle anderen Aktionen. Der Samstagabend und der Sonntag gerieten erneut zur vielfältigen, inspirierenden Begegnung zwischen den Kreativen im KQL, Gastkünstlern und ihren Besuchern.

 

Die jüngsten Gäste hatten ihren Spaß vor allem im „Atelier für Groß & Klein“. Ältere Semester fanden reichliche Auswahl vor, um Malerei, Plastiken, Fotografie, Performance und Musik zu genießen - aktiv und passiv, nach Lust und Laune.

Schon am Samstagabend trafen die unterschiedlichen Künste im Souterrain des ehemaligen Gesundheitshauses harmonisch zusammen: „wenn auch viele in den Tiefen hausen“ hieß die interaktive Installation im „Raum für neue Zweckbestimmung“, dem früheren weiß-blau gekachelten Duschraum. Über die Leinwand galoppierten getuschte Pferde und ein neugierig machender Spruch im Video von Judith Anna Schmidt, aus schwarzen Blechdosen waberten und glucksten Wasserklänge von Raphael Beck. Das optische Zentrum auf einem Sockel bildete ein „Kelpie“, ein von Anja Sommer wunderschön gefilzter Kopf eines Fabelwesens in kühlen Wasser-Farben, auf den ersten Blick ein Pferdekopf, der sich bei näherem Hinsehen in einen Fisch verwandelt.

 

Nüchterner Duschraum wird zum Schauplatz für lebendige Kunst

 

Anja Sommer las dazu die Sage des Kelpie vom Loch Garve vor, die sich um die Entführung eines Mädchens und eines Baumeistes in die Tiefen des schottischen Sees rankt. So erwachte der nüchterne Duschraum, in dem Wasser einst zur Hygiene der Bergleute diente, zu neuem, geheimnisvollem Leben. Die Bewegung des fließenden Wassers fand sich wieder in Klängen, vorbeihuschenden Pferden und dem Verlauf der Sage vom Bedrohlichen zum Einvernehmlichen. Die musikalische Einstimmung und Gestaltung des Sommerabends übernahmen Ingo und Armin Borgardts, Olaf Saddeler und Tatjana Backenhaus an Klarinette, Schlagzeug, Kontrabass und Cello. Ihre freie Improvisation „Unerhört“ wurde mit Wohlwollen erhört.

 

An beiden Tagen waren neben der Kelpie-Installation Fotos von Gastkünstler Ralf Halley und Malerei von Ulrike Int-Veen zu betrachten. Auch Halley präsentierte auf großen Leinwänden das Thema Wasser, ebenso wie Landschaft und Wolken. Int-Veen zeigte ihre typischen ungegenständlichen, fließenden Farbklänge in leuchtenden, heiteren Tönen. Doris Kook lud ebenfalls in ihr Atelier mit Malerei und Bildhauerei ein und bot außerdem einen Film über die Künstlerin Meret Oppenheim dar.

 

Bunte Plastiktüten wandeln sich zu pflanzlich wirkenden Objekten

 

Sigrid Neuwinger, Gastkünstlerin aus Moers, stellte farbenfrohe Plastiken und Fotografien aus, die wie seltsame Pflanzen oder verwehte Landschaften wirken. Ihre Werke sind allesamt aus Plastiktüten gefertigt – gehäkelt, mit dem Heißbrenner zu Klumpen und Strängen verformt und zu scheinbar organischen Wesen arrangiert. So wird aus Wohlstandsmüll, der sonst in den Meeren Fischmägen verstopft, anmutige Kunst: Der Kontrast von schnödem Ausgangsmaterial und Ästhetik der Exponate überraschte und erfreute die Besucher.

 

Im sonntäglichen Experimentier-Atelier von Judith Anna Schmidt gestalteten vor allem Kinder mit Lehm, Muscheln, Wolle und Holz: So lassen sich aus natürlichen Materialien, die wenig oder nichts kosten, fantasievolle und ansehnliche Dinge herstellen. Den meditativen Abschluss des open houses bildete das Mantra-Singen mit Samirah Al-Amrie am Sonntagnachmittag. Melodie und Worte zum Sich-Besinnen wiederholten sich ganz in Ruhe viele Male und entließen die Mitsingenden wieder in den Trubel des Alltags.

 

Gelungene Begegnungen in anregender Atmosphäre

 

Im ehemaligen Sozialgebäude empfingen Peter und Walburga Schild-Griesbeck die Gäste im Atelier Freiart zum Gucken und zu Gesprächen. Gerne durften die Besucher auch die neuen aus Stoffstreifen genähten leichten Mützen anprobieren und erwerben: ökologisch sinnvolle Resteverwertung für individuelle Mode. Selfies mit bunter Kopfbedeckung waren gegen kleine Spenden zu haben.

 

„Die Stimmung und die Gespräche waren sehr schön“, waren sich die teilnehmenden Künstler*innen einig. Auch das Kuchenbuffet im Treffpunkt Café trug mal wieder zum Gelingen der entspannten Veranstaltung bei. Wer Lust hat, sich auf Kunst einstimmen zu lassen, sich auszutauschen und neue Ideen zu entdecken, für den sind die open houses im KQL stets ein lohnendes Ziel. Alle Besucher konnten sich mit Gedichten, Liedern, Bildern und Objekten am zweiten Kapitel vom „Raum für neue Zweckbestimmung“ beteiligen.

 

Text und Fotos: Gudrun Heyder
 

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