09.05.2017

Serie "Energie", Folge 5: Energiesparen mit Luft-Wärme-Pumpen in der neuen Wohnsiedlung

Kraft-Wärme-Pumpe

Serie „Energie“: Das KQL auf dem Weg zum CO2-neutralen Stadtareal

 

Von der Steinkohlezeche zum Musterbeispiel für zukünftiges, nachhaltiges Wirtschaften – das ist ein weiter Weg. Das Kreativ.Quartier Lohberg nähert sich dem ehrgeizigen Ziel, Deutschlands größtes zusammenhängendes CO2-neutrales Stadtquartier zu werden, mit großen Schritten.
Aufgrund der geplanten hohen Energieeffizienz der Neubauten und der sanierten Denkmäler können das neue Gewerbegebiet und das neue Wohnquartier zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt werden, perspektivisch auch der Stadtteil Lohberg.

In unserer Serie rund um das Thema Energie beleuchten wir einzelne Aspekte dieses Entwicklungsprozesses. Mehr zum Gesamtkonzept ist hier zu finden: http://www.kreativ.quartier-lohberg.de/de/energie/energie.php


Energiesparen mit Luft-Wärme-Pumpen in der neuen Wohnsiedlung 

 

Dank optimaler Dämmung ist der Energiebedarf der Einfamilien- und Reihenhäuser sehr niedrig. Wärmepumpen, kombiniert mit Fotovoltaik und bei Bedarf mit Wärmespeichern, sorgen für eine nachhaltige Wärmerzeugung für die Heizung und das Warmwasser.

 

„Das funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank“, erklärt Arno Gedigk, Hauptabteilungsleiter Erzeugungsanlagen der Stadtwerke. „Beim Kühlschrank ist die warme Seite außen, beim Wohnhaus innen. Luft-Wärme-Pumpen verschieben mit einem Kältemittel das Temperaturniveau. Die Luft aus der Umgebung wird angesaugt und mittels der Pumpe erwärmt, um warmes Wasser zu liefern und die Räume zu heizen.“ Diese Pumpe gibt kein CO2 ab, gewinnt aber ein Viertel oder mehr Wärmeenergie mittels elektrischer Energie. Verwendet man kohlenstoffneutral produzierten Strom wie im Kreativ.Quartier Lohberg, ist diese Technik im Vergleich zu anderen Heizungsarten sehr emissionsarm.

 

Ideal in Kombination mit Fotovoltaik und Batteriespeicher

 

Heute seien Luft-Wärme-Pumpen der Standard für eine nachhaltige Energieversorgung in Gebäuden, so Gedigk. Sie sind in der Anschaffung etwas teurer als Gaskessel und benötigen nur wenig Platz, passen also auch in eine Abstellkammer. Um die Luft aus der Umgebung ins Haus zu befördern, ist zudem ein Außengerät mit Lüfter erforderlich. Der Ingenieur rät grundsätzlich dazu, dieses im Fachhandel zu erwerben. „Das rechnet sich. Die Geräte aus dem Baumarkt oder dem Internethandel sind zwar billiger, machen aber Lärm, der die Nachbarn stören könnte.“ Der geltende Bebauungsplan für das Wohncluster im KQL schreibt ohnehin vor, diese Geräte nur in Gebäuden und Garagen zu installieren, um störende Lärmemissionen zu vermeiden.

 

Die mit Strom betriebenen Wärmepumpen sollen ihre Energie möglichst von Fotovoltaik-Anlagen auf den Hausdächern beziehen. Gedigk: „Sonnenenergie auf dem eigenen Haus zu gewinnen, ist die beste Möglichkeit und im neuen Lohberger Wohnquartier so vorgesehen, aber die Hauseigentümer entscheiden natürlich mit darüber.“ Eine Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde (kWh) elektrischer Energie 3,5 kWh Wärme. Der Ingenieur empfiehlt zukünftigen Bewohnern, zusätzlich zu einer Fotovoltaik-Anlage auch einen kleinen Batteriespeicher für den erhöhten Eigenverbrauch anzuschaffen. „Damit macht man sich noch unabhängiger vom Netzbetreiber.“


Durch optimale Dämmung ist es auch im Winter innen warm

 

Wer sich wundert, dass es mit dieser Technik auch im Lohberger Winter kuschelig warm im neuen Eigenheim sein wird, dem leuchtet sicher Gedigks Argumentation ein: „Früher waren Gebäude so schlecht gedämmt und hatten so undichte Fenster, dass die Heizkörper richtig heiß sein mussten, um die 70 bis 90 Grad. Inzwischen kann man so bauen – und in der neuen Wohnsiedlung wird das perfekt umgesetzt –, dass auch bei fünf Grad Außentemperatur oder noch weniger das System einwandfrei funktioniert. Wir empfehlen den Menschen, die hier ihr Haus errichten wollen, Fußbodenheizungen. Wenn diese 25 Grad warm sind, ist es in den Räumen sehr angenehm. Meiner Erfahrung nach schaltet sich die Heizung sogar ab, wenn an einem kalten Wintertag die Sonne durch die Fenster scheint.“ Sollte es doch mal „sibirische Nächte“ in Dinslaken geben, sorgt ein Notfallheizstab in der Wärmepumpe dafür, dass Räume und Wasser gut temperiert bleiben.

Aufgrund der sehr guten Dämmung seien die Neubauten sehr dicht, warme Innenluft bleibt folglich drinnen. Die mechanische Komfortlüftung sorgt dafür, dass es in den Zimmern nicht zu feucht wird und sich kein Schimmel bilden kann. Wird ein Lüftungssystem in Gebäuden eingesetzt, wird die Luftqualität – also die Temperatur und die Feuchtigkeit sowie der CO2-Anteil, über die Lüftung automatisch geregelt. Dann ist das manuelle Öffnen der Fenster nicht mehr sinnvoll und erforderlich. Dies ist sicherlich die effizienteste Art zu lüften, aber nicht jedermanns Geschmack. Daher kann man auch weiterhin konventionell über die Fenster lüften, sollte dabei aber auf regelmäßige Lüftungszeiten achten.

 

Fazit: Auf lange Sicht finanziell lohnend – und für die Umwelt sofort

 

Sich Ressourcen schonend mit Energie zu versorgen, wird den Hausbesitzern in der neuen Wohnsiedlung leicht gemacht. Schließlich ist das oberste Ziel im Kreativ.Quartier Lohberg, in vorbildlicher Weise CO2-neutral zu sein. 
Die Investitionen können beim Hausbau leicht höher liegen als bei konventioneller Energieversorgung, aber schließlich ist ein eigenes Haus kein Kurzzeitprojekt. Auf viele Jahre oder gar Jahrzehnte gerechnet, lohnt sich die nachhaltige Nutzung erneuerbarer Energien auf jeden Fall. Die hohe Unabhängigkeit von steigenden Energiekosten spart Geld. Und für die Umwelt ist damit sehr viel Gutes getan.

 

Text: Gudrun Heyder
Grafik: Stadt Dinslaken

 

INFO
Neue Wohnsiedlung im Kreativ.Quartier Lohberg

 Luft-Wärme-Pumpen

 

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