03.09.2018

„The Welcoming Party“ - eine Odyssee für junges Publikum - Interview vor der premiere

Foto (G. Heyder): Vor der Zechenwerkstatt hat das Ensemble sein "Minidorf" aufgebaut (hinten die Kohlenmischhalle)

Es wird spannend! Ein Probenbericht und ein Interview mit Schauspielerin Dela Dabulamanzi geben Einblicke in das Theaterstück der Gruppe Teatres-Rites. Viele Vorstellungen in der Zechenwerkstatt sind bereits ausverkauft.

 

Direkt unter dem Förderturm ist ein Minidorf entstanden, mit Containern und allerlei Gerätschaften. Mittendrin stehen Bänke und Tische für Besprechungen und Mahlzeiten der Regisseurin, Schauspieler*innen und Techniker*innen. Zwei von ihnen wohnen sogar hier auf dem Gelände, mit Blick auf Baustelle und Kohlenmischhalle.

 

In der Zechenwerkstatt nutzen die Performer*innen bei ihren Proben die gesamte Fläche und auch die Nebenräume. Sie ziehen spielend in der Halle umher und das Publikum wird bei den Vorstellungen mitwandern. Während einiger Szenen sitzt es auf Kisten, dann läuft es mit den Schauspieler*innen und Tänzer*innen durch die Werkstatt. - Konzentrierte Atmosphäre. Plötzlich ertönt eine laute Stimme und fordert das Publikum streng auf, sich selbst aktiv einzumischen. Was dann passiert, wird noch nicht verraten…

 

Flucht und Ankommen durch eigenes Mitwirken nachvollziehen

 

Mit viel Bewegung, Tanz, Gesang und Puppenspiel bietet die Inszenierung jungen Zuschauer*innen ab acht Jahren viel Abwechslung und auch Spaß. Es gibt aufregende Szenen ebenso wie ruhige, oft sind sie sehr emotional. Ihre Absicht, dass die Gäste der 14 Aufführungen bis in manches Detail nachvollziehen können, wie sich Flucht und Ankommen anfühlen, setzen die professionellen Performer*innen gekonnt um. Man spürt, wie intensiv sie bei der Sache sind: Denn sie waren auch im wirklichen Leben Flüchtlinge, stammen dem Irak, Syrien, Ghana und Togo. Regisseurin Sue Buckmaster greift bei dieser Durchlaufprobe nicht ein, sondern verfolgt das Geschehen vom Rand aus. Sie wirkt zufrieden. 

 

Dinslakener Schulklassen werden die Inszenierung sehen, und das Ensemble hofft auf viele Besucher*innen aus Lohberg. Sie werden „ihre“ Zechenwerkstatt wieder auf neue Art erleben, und die auswärtigen Ruhrtriennale-Gäste können einmal mehr erfahren, welche tollen Möglichkeiten diese ehemalige Arbeitsstätte der Zeche Lohberg für aufregendes Theater bietet.

 

Texte und Foto: Gudrun Heyder

 

„Die Kinder sollen sich ihr eigenes Bild machen“

 

Interview mit Schauspielerin Dela Dabulamanzi: Das Ensemble fühlt sich wohl in Lohberg und die Arbeitsatmosphäre ist bestens.

 

Dela Dabulamanzi, Jahrgang 1980, ist freie Schauspielerin, lebt in Berlin und macht unter anderem Kindertheater. Eine Woche vor der Premiere von „The Welcomimg Party“ erzählte sie KQL-Redakteurin Gudrun Heyder nach einer Probe in der Zentralwerkstatt, wie die Probenarbeit in Lohberg läuft und was das Publikum von Sue Buckmasters Inszenierung erwarten kann.  

 

Gudrun Heyder: Die Theatergruppe Teatre-Rites hatte mit „The Welcomimg Party“ 2017 Premiere beim Internationalen Festival in Manchester. Wirken in Lohberg dieselben Schauspieler*innen mit?

 

Dela Dabulamanzi: Nein, für die Aufführungen in Dinslaken wurden deutschsprachige Performer engagiert. Nur eine Tänzerin hat schon in der Originalfassung mitgemacht.

 

GH: Wieviel Zeit hat das neu zusammengestellte Ensemble, um an dem ebenfalls neuen Ort Zechenwerkstatt zu proben? 

 

DD: Bis zur Premiere haben wir drei Wochen, wir sind fast rund um die Uhr hier…

 

GH: Wie gefällt es Ihnen im Kreativ.Quartier Lohberg und im Stadtteil?

 

DD: Ich lebe in Berlin und finde es hier sehr bodenständig, ich mag das Ruhrpottflair. Ich habe drei Jahre in Dortmund gelebt, deshalb kenne ich das schon.

 

GH: Wo wohnen Sie während der Proben und Aufführungen?

 

DD: Ich habe Glück, ich wohne bei einer netten Familie in der Gartenstadt und fühle mich dort sehr gut aufgehoben.

 

GH: Wie läuft die Probenarbeit? Fühlt sich das Ensemble in der Zechenwerkstatt und auf dem KQL-Gelände wohl?

 

DD: Die Arbeitsatmosphäre ist sehr gut! Das füllt alles rundherum mit Wärme. Und die Bedingungen sind auch gut, wir haben super Duschen und eine Küche und sogar Strandkörbe.

 

GH: Im letzten Jahr haben Lohberger Frauen für das Ensemble der Ruhrtriennale gekocht. Ist das jetzt auch so?

 

DD: Nein, einer unser Techniker ist ausgebildeter Koch, der hat das Kochen übernommen.

 

GH: Kommen wir zur Inszenierung: Wie beschreiben Sie Ihre Rolle in „The Welcomimg Party“?

 

DD: Wie die anderen Performer unterstütze ich die Geschichte der Hauptfigur Mohammed, einem sudanesischen Flüchtling, mit Seitensträngen. Wir wollen die verschiedenen Farben der unterschiedlichen Migrationsgeschichten zeigen. Meine Position eignet sich auch als Identifikationsfigur.

 

GH: Worum geht es dabei?

 

DD: Es geht über das Thema Flucht und Migration hinaus um die Suche nach sich selbst. Hat man als Erwachsener Probleme, liegt das oft an alten Mustern. Wenn man sich auf die Suche nach seinem „inneren Kind“ begibt, kann man diese Muster erkennen und Lösungen finden.

 

GH: Diese Ebene richtet sich an die erwachsenen Zuschauer*innen. Was möchten Sie den Kindern im Publikum zeigen?

 

DD: Die Kinder sollen sich selber ein Bild davon machen können, wie es ist, flüchten und woanders neu anfangen zu müssen. Sonst hören sie nur, was ihre Eltern über Flüchtlinge sagen. Wenn sie das Stück gesehen haben, können sie zum Beispiel Kindern in Willkommensklassen anders begegnen.

 

GH: Einige Szenen wirken schon bedrohlich. Das aus mobilen Drahtkäfigen bestehende Bühnenbild trägt dazu bei. Kann das für Kinder ab acht Jahren beängstigend sein? 

 

DD: Das ist eher die Sorge der Erwachsenen, die die Kinder schützen wollen. Die Kinder selbst können das gut einsortieren. Mein vierjähriger Sohn sieht in Berlin-Kreuzberg ganz andere Sachen.

 

Infos

https://www.ruhrtriennale.de/de/agenda/22/Theatre_Rites_Sue_Buckmaster/The_Welcoming_Party/

http://kql.de/de/bausteine/20180425_triennale.php

http://kql.de/de/termine

 

Regie: Sue Buckmaster

Bühne, Kostüme: Simon Daw

Choreografie: Jamaal Burkmar

Musik, Sounddesign, Frank Moon

Zusatzmusik, Sounddesign: Jon Gingell

Licht: Mark Doubleday

 

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