23.10.2018

Blaue Bude: Die Menschen reden wieder miteinander

Mitglieder des Forums Lohberg und Gste in der Blauen Bude

Das Forum Lohberg zieht ein begeistertes Fazit zum Abschluss der Saison. Jung und Alt haben hier ihren zwanglosen Kommunikationstreffpunkt in Lohberg gefunden. Anderthalb Jahre nach der Eröffnung der Blauen Bude sei das Konzept voll aufgegangen.

 

Tür auf, Tür zu, Tür auf… es ist ein lebhaftes Kommen und Gehen beim Saisonabschlussfest der Blauen Bude. Wohl aufgrund der Herbstferien ist die Sause zwar nicht so üppig wie 2017, als sie von 15 bis 22 Uhr dauerte. Der Kartoffelsalat schmeckt trotzdem und die Aktiven vom Forum Lohberg e.V. freuen sich, dass die 54 Veranstaltungen in diesem Jahr so gut ankamen. Für 2019 haben sie ebenfalls schon 54 Aktionen geplant. Schäfer, Bienenzüchter, Patchworkgruppe, Kreative und viele mehr werden die neun Quadratmeter Innenraum und den Umraum nutzen.

 

Gemeinwesenarbeit im Stadtteil

 

„Wir machen Gemeinwesenarbeit“, betont Gilbert Kuczera vom Vorstand des Forums Lohberg. „Es dreht sich alles um den Stadtteil. So wie sich früher die Leute an der Trinkhalle getroffen haben, so treffen sie sich heute wieder an der Blauen Bude.“ Seine Vorstandskollegin Gilla Schrör führt aus: „Wir wollen die Zechenmauer überbrücken und die Menschen zusammenbringen.“ Wer sich auf einer Bühne ausprobieren möchte, findet hier die Gelegenheit. Man ist gut vernetzt: Ist die Bude zu klein, kann man zum Beispiel ins Ledigenheim ausweichen.

 

Kuczera bedauert, dass die Organisatoren schon vielen Interessenten für das nächste Jahr absagen mussten. Zahlreiche Menschen haben Lust und Ideen, um in der Blauen Bude etwas zu veranstalten, aber alle Wunschtermine zu koordinieren, ist eine Kunst. „Wir leben von Spenden und machen fast alles ehrenamtlich“, benennt er die Grenzen des Machbaren.

 

Spontane Begegnungen ermöglichen

 

Was die Forumsmitglieder besonders freut, sind die spontanen Erlebnisse, die ihre Stadtteil-Begegnungsstätte an der Hünxer Straße ermöglicht. Menschen jeden Alters kommen vorbei, erzählen aus ihrem Leben und haben zusammen Spaß. Wie die afghanischen Flüchtlingsjungen aus Lohberg, denen es beim Drachenfest an einem fast windstillen Tag gelang, trotzdem Drachen steigen zu lassen, denn Drachenlaufen ist ihr „Nationalsport“. „Sie konnten mit den Kindern aus Lohberg toben, ohne dass jemand die Sprache des Anderen verstand.“ Oder wie der alte Mann aus Neukirchen-Vluyn auf dem schrottigen Motorrad, der anhielt, reinkam und sich als Astronomie- und Akkordeonexperte entpuppte. „Dat is Blaue Bude!“, sagt Gilbert Kuczera zufrieden. Als Gäste aus Sachsen hier DDR-Waren präsentierten, war sogar Honeckers Neffe in der Blauen Bude.

 

Die entspannte Atmosphäre und die Ruhrpott-Gesprächskultur nach dem Motto „direkt, auch mal rau, aber immer herzlich“ gefällt den Besucher*innen ebenso wie den Künstler*innen. „Wir hatten schon Leute hier, die in ganz Europa gespielt haben. Sie finden den unmittelbaren Kontakt zu den Zuhörern toll.“ Gilla Schrör ergänzt: „Wenn Du ihnen beim Betreten der Bude sagst, hier ist unser Veranstaltungssaal, ist das Eis schon gebrochen.“

 

Pino Juliano, Künstler sowie Geschichts- und Politiklehrer, freut sich über die rege Teilnahme an „Pinos Treff“. Seine Themenmischung aus Kunst und Politik ist beliebt. Bei der Diskussion über die AfD kürzlich passten kaum alle Gäste in die Blaue Bude.

 

"Stammkneipe" für die Lohberger*innen

 

Für die Lohberger*innen ist sie eine Art Stammkneipe geworden, aber auch Auswärtige kommen vorbei. Das Dinslakener Team der Deutschen Bank hat hier im Hochsommer beim „Social Day“ Hand angelegt. „Spaß, Schweiß und Sonnenbrand“, fasst Gilla Schrör zusammen.   

Bei den regelmäßigen Seniorentreffs kriegen die Teilnehmer*innen sogar ihre Rollstühle und Rollatoren in den schmalen Raum. Und wenn der Tisch bei Konzerten rausgestellt wird, passen 25 Menschen in die Bude. Erstaunlich, was alles so geht, wenn man nur will.  

 

Inzwischen ist die Blaue Bude zum Selbstläufer geworden. Der Schlüssel geht von Hand zu Hand, wenn jemand darin einen Programmpunkt gestalten will. Das läuft auf Vertrauensbasis. „Und Vandalismus gibt es hier nicht“, erklärt Gilbert Kuczera. „Die Jungs aus Lohberg, mit denen ich die Kunststoffbuchstaben auf dem Dach angebracht habe, passen auf, denn das ist ihre Bude.“

„Unser Konzept ist zu 100 Prozent aufgegangen“, bilanzieren die Mitglieder des Forums Lohberg fröhlich. „Die Menschen reden wieder miteinander.“

 

Text und Fotos: Gudrun Heyder 

 

INFO
Konzept von „Komma anne Bude“ (Forum Lohberg e.V.):
Gemeinwesenarbeit fördern und stärken, Probleme wie demografischen Wandel und Integration aufgreifen. Menschen mit Migrationshintergrund sollen ebenso ihre Kultur vertreten sehen wie sogenannte Biodeutschen. Besonders wichtig sind dem Forum Projekte mit den Schwerpunkten Integration, Bildung und Kultur. Die gemeinnützige Freddy Fischer Stiftung unterstützt die Aktivitäten.

www.blauebude.de

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