05.11.2018

Danke Kumpel! Glückauf Zukunft: „Unter Tage waren wir Brüder“

Geschenk an Lohberg: Skulptur mit Grußbotschaften

Bergleute und Bürger*innen verabschieden sich bei „Danke Kumpel!“ vom Steinkohlebergbau: ein bewegender Abend mit Wehmut und auch Zuversicht.

 

Große Bühne, beeindruckende Bilder, eindringliche Worte: 1.600 Lohberg*innen und Gäste kommen unter dem Förderturm der ehemaligen Zeche Lohberg zusammen, um sich gemeinsam zu erinnern. An die Ära, die Dinslaken entscheidend prägte und an die ungeheuren Leistungen der Bergleute. Unter dem Motto „Danke Kumpel“ haben am 3. November 2018 die RAG und ihre Partner dazu eingeladen, in Essen, Bottrop, Dinslaken, Hamm und Ibbenbüren zu feiern. Die über 10.000 Karten waren flugs vergriffen.

 

MGV Concordia hat seinen großen Auftritt

 

Der Lohberger Förderturm leuchtet abwechselnd grün und violett, direkt darunter befindet sich die Bühne. Ein Fackelzug aus Bergleuten nähert sich, die Stimmung ist erwartungsvoll. Der MGV Concordia hat seinen großen Auftritt. „Wir sind alle auf Kohle geboren“, „Kumpel zu sein war niemals leicht“, „Tausend Feuer sind erloschen“ und viele andere Lieder stimmen die Sänger hoch konzentriert und klangvoll an.

 

Stolz und Zusamenhalt der Bergleute

 

Während auf zwei Leinwänden eine 20-minütige Kurzfassung von Werner Kubnys beeindruckendem Dokumentarfilm „Der lange Abschied von der Kohle" läuft, fachsimpeln die Bergmänner unter den Gästen darüber, wie es war unter Tage. Die knochenharte Arbeit, die Gefahren, die Lungenkrankheit Silikose: Das ist die eine Seite. Der Stolz darauf, für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg Entscheidendes geleistet zu haben und der enge Zusammenhalt der Kumpel sind die andere.

 

„Der Bergbau hat Integration gelebt“

 

Moderatorin Steffi Hain von Radio K.W. bittet einen Bergmann auf die Bühne. „Ein Lebensabschnitt von mir stirbt“, sagt er. Die Steinkohleförderung einzustellen, sei eine „politische Fehlentscheidung“. Seine Familie umfasse drei Bergbaugenerationen, und er habe auf einige mehr gehofft. Wie alle Redner*innen an diesem Abend beschwört er das blinde Vertrauen der Kumpel untereinander, die felsenfeste Kameradschaft. Herkunft, Hautfarbe Religion – das alles spielte keine Rolle. Nur die Gewissheit, dass man sich unter Tage gegenseitig hilft. „Der Bergbau hat Integration gelebt“, betonen auch die weiteren Redner.   

 

herausragende Bedeutung der Zeche Lohberg

 

RAG-Vorstand Dr. Jürgen-Johann Rupp, Bürgermeister Dr. Michael Heidinger, Bodo Wilms (Bezirksleiter der IG-BCE Duisburg) und Susanne Hardies (stv. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Betriebsräte im RAG Konzern), blicken beim Gespräch auf der Bühne auf die „herausragende Bedeutung“ der Zeche Lohberg zurück. In Spitzenzeiten arbeiteten hier 5.000 Bergleute. Wichtige Schwerpunkte waren die Ausbildung und modernste Technik. Rupp bekennt sich zur Verantwortung der RAG auch für die Zukunft Lohbergs. Die aktuelle Entwicklung unter anderem mit dem neuen Wohn- und Gewerbegebiet sei vorbildlich. Heidinger appelliert daran, dass die Traditionen und Werte der Bergleute weiterhin für Lohberg und Dinslaken bedeutend sein sollen. Jeweils „Danke Kumpel!“ zu sagen, liegt den Rednern am Herzen. 

 

Stahlskulptur mit Grußbotschaften

 

Als sich schließlich alle Beteiligten samt Grubenwehr und Chor auf der Bühne versammeln, wird eine 3,5 Meter hohe Stahlskulptur enthüllt: ein Geschenk der RAG an Lohberg. Auf der Bergmannsfigur sind Grußbotschaften eingraviert, die Bürger*innen zum Ende des Steinkohlenbergbaus eingeschickt haben. Dann singen alle gemeinsam das Steigerlied: ein emotionaler Moment.

 

Das Gefühl der Solidarität bleibt

 

An den Imbissständen lassen die Besucher*innen den Abend bei Bier und Würstchen ausklingen. Sie wärmen sich am Glühwein, gemeinsamen Erinnerungen und dem Gefühl der Solidarität: Denn das bleibt in Lohberg, auch 13 Jahre nach der Zechenschließung. Lokale Bands heizen bei fünf Grad und klarem Himmel zusätzlich ein. 

 

Text und Fotos: Gudrun Heyder

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