04.10.2019

Gemeinsamer Aktionstag mit Frühstück, Parkmarkt und Moscheeführungen war gut besucht

Foto (G. Heyder): Hodscha Ahmet Sen und seine Frau im kleineren Gebetssaal der Ditib-Moschee

Vor allem Ehrenamtliche zeigten am 3. Oktober mit großem Einsatz, was Lohberg alles zu bieten hat.

 

Lohberg ist ein Stadtteil, der viel vom Engagement seiner Initiativen und Bürger*innen lebt. Anfang Oktober zum Frühstück auf den Marktplatz einzuladen, ist etwas gewagt. Aber egal! Trotz kühlfeuchten Wetters fanden sich knapp 50 Leute zur Premiere von „Lohberg frühstückt“ ein und genossen Kaffee und Brötchen mit geselligem Austausch.

Auch die Führungen der Ditib-Gemeinde durch die Moschee fanden viel Anklang. Am Tag der offenen Moschee bat sie Interessierte in ihr Gotteshaus: zum Betrachten der Gebetsräume und zum ungezwungenen Austausch über religiöse Fragen.

 

Und der zum fünften Mal durchgeführte Parkmarkt ist ohnehin ein Selbstläufer. Die meisten Stände waren mit Pavillons oder Planen vor Schauern geschützt. Zahlreiche Besucher*innen stöberten an den mehr als 70 Ständen in den Schätzen aus Kleiderschränken und Dachböden.

 

Netzwerk erweitern und Kontakte bieten

 

„Wir haben auf Facebook gesehen, was hier alles los ist und haben uns auf den Weg gemacht“, zeigte sich ein Ehepaar aus Oberhausen beeindruckt. Nach dem Verzehr von Leckereien am Parkmarkt-Biertisch wollten sie beim Frühstück auf dem Johannesplatz vorbeischauen „In die Moschee können wir leider nicht, weil unser Hund dabei ist“, bedauerten sie.   

Für gute Atmosphäre sorgen, das können die vielen in Lohberg engagierten Menschen. Den 3. Oktober gemeinsam zu gestalten, war ihnen wichtig. So knüpfen sie ihr gutes Netzwerk immer weiter und bieten Ansässigen und Auswärtigen ein lohnendes Freizeitangebot und Kontaktmöglichkeiten.

 

„Lohberg frühstückt“: gerne mehr davon

 

Getränke und Speisen selbst mitbringen und zusammen verzehren: Das Konzept ging auf. Sicher hätten bei wärmerem Wetter noch mehr Menschen mitgemacht, aber die Veranstaltergruppe war auch so glücklich mit dem Zulauf. Um zehn Uhr ging es los und schon mussten sie weitere Tische und Bänke aufstellen. Mitglieder der Ditib-Moschee, Familien und Senioren genossen das reichhaltige Frühstück und entspannte Gespräche. Für Kinder gab es Spielmöglichkeiten.

Lisa Reinemann vom Quartiersmanagement des Diakonischen Werks resümiert: „Die Stimmung war super und viele fragten: ‚Wann macht Ihr das wieder?‘ Das haben wir auch vor!“

Veranstaltet wurde „Lohberg frühstückt“ vom Quartiersmanagement Lohberg, dem Theater Halbe Treppe, Kinderschutzbund, Kita Teerstraße, Moschee-Gemeinde, Forum Lohberg und „Lohberg Mittendrin“. Ein Zuschuss der Stadt über den Verfügungsfonds Lohberg trug zum Gelingen bei.

Führungen durch die Ditib-Moschee

 

Weiße Kreide-Fußspuren führten zur Ditib-Moschee, die den Tag der offenen Moschee unter dem Motto „Menschen machen Heimat“ beging – wie viele Moscheen in Deutschland am 3. Oktober. Die Absicht war, Barrieren abzubauen. Oftmals sind Menschen, die nicht dem Islam angehören, interessiert, trauen sich aber nicht, die Moschee zu besuchen. Dabei sei das immer möglich, betonte der Vorstandsvorsitzende Özkan Yildiz. „Wir sind immer für jeden offen,“ ermunterte auch Enise Cetin zu weiteren Besuchen.

 

Lebhafter Austausch mit den Gästen

 

Enise Cetin und Meral Kara, Leiterinnen der Mädchen-Jugendabteilung, führten mit Özkan Yildiz sowie dem Hodscha der Gemeinde Ahmet Sen durch die Moschee. Um 12, 14 und 16 Uhr gab es Führungen, schon zur ersten kamen etwa 25 Gäste. Bereits auf dem Vorplatz vor dem Eingang begann ein lebhaftes Gespräch. So wollten die Besucher*innen zum Beispiel wissen, wie und wo verstorbene Gemeindemitglieder bestattet werden. Ältere Menschen, die in der Türkei geboren sind, wollen meist auch in der alten Heimat begraben werden, erklärte Öskan Yildiz. Die nachfolgende Generation ist in Deutschland verwurzelt und will auch hier ihre letzte Ruhestätte finden.

 

Die Gäste ließen sich den großen, schön gestalteten Gebetssaal erklären: mit samtigem blauem Teppich, blauweißbunten Kacheln, Suren-Inschriften, Gebetsnische, Platz für den Muezzin, kleiner Kanzel und großer Kanzel für die Gebete an Freitagen. Im Unterschied zu christlichen Kirchen, wo die Gemeinde verstreut Platz nimmt, sind Muslime gehalten, im Gottesdienst vorne beginnend ordentliche Reihen zu bilden. Wichtig sei dabei, dass vor Allah jeder gleich ist: „Ob Menschen aus Lohberg, der Bürgermeister oder der Bundeskanzler“, niemand bekäme in einer Moschee einen besonderen Platz.

 

Schuhe ausziehen im Vorraum

 

Falsch machen könnten Gäste übrigens nur eins, hieß es: den Teppich mit Schuhen betreten. Da bei den Niederwerfungen im Gebet das Gesicht den Boden berühre, sei das streng untersagt.

Ahmet Sen zeigte, wie er die Koranverse im Gottesdienst vorträgt. Die Frage, ob Enise Cetin und Meral Kara ihre Kopftücher freiwillig tragen, kam erwartungsgemäß auch. Die selbstbewussten jungen Frauen bejahten das gelassen. Der Koran schreibe Frauen zwar vor, sich zu bedecken, erklärten Sen und Yildiz. „Aber wenn sie das nicht möchten, wird Gott das verstehen.“ Alle Gemeindemitglieder waren bestrebt, Vorurteile auszuräumen. Ahmet Sen fragte die Gäste schließlich, ob Juden, Christen und Muslime einen Gott hätten oder verschiedene. Die Antworten gaben erneut Stoff zum Weiterdiskutieren.

 

Heimat ist da, wo Zukunft ist

 

Egal, wie man selbst zum Glauben und zu Religionen steht: Der offene Austausch in der Ditib-Moschee war ein gelungenes Beispiel dafür, dass es sich immer lohnt, sich zu begegnen, Zweifel zu äußern, Fragen zu stellen und Antworten zu geben. Zum Thema des Tages „Heimat“ meinte Özkan Yildiz: „Heimat ist da, wo ich lebe und wo die Zukunft meiner Kinder ist.“ Über das rege Interesse am Tag der offenen Moschee war er sehr erfreut.

Der Moschee-Verein ist seit 1989 im ehemaligen Konsum an der Ecke Lohbergstraße / Hünxer Straße zuhause. Das Gemeindezentrum umfasst neben zwei Gebetsräumen auch Aufenthaltsbereiche, Vorstandbüro, eine große Küche, Waschräume für die rituellen Waschungen vor dem Gebet, Zimmer für den Koranunterricht und Platz für Kinder und Jugendliche sowie Wohnräume für die Familie des Hodscha.

 

Parkmarkt im Bergpark

 

Statt einer Standgebühr Selbstgebackenes „einzuzahlen“, ist auch eine prima Idee. So konnten die vielen Besucher*innen des beliebten Trödelmarkts am Buffet auf den Stufen des Wasserturms zwischen Pflaumenkuchen, Pizzakringeln, Hackfleischtaschen und vielem mehr wählen. Keine professionellen Händler, sondern ausschließlich private Anbieter*innen boten eine riesige Auswahl an Kleidung, Kitsch und Krimskrams an. Spielzeug und Mobiliar waren ebenfalls zu erstehen.

 

Macramé, Steine bemalen, Kunst gucken

 

Eine Führung durch den Bergpark mit Anja Sommer, ein Macramé-Workshop mit Ina Magedanz, weitere künstlerische Angebote und Sommmerflair mit Klängen von DJ Igor Lopez ergänzten den vom Verein Parkwerk ehrenamtlich gestemmten Parkmarkt. Das Förderprogramm des Bundes „Demokratie leben!“ und „Glanzlichter“ von Din-Event unterstützen die Veranstaltung. Wie eigentlich immer, wenn im KQL etwas los ist, hatte auch das atelier freiart seine Türen für kunstsinnige und kommunikationsfreudige Passanten geöffnet.

 

Lohberg lebendiger zu machen, friedliches Miteinander zu verwirklichen und gemeinsam attraktive Aktionen auf die Beine zu stellen: Das ist den Menschen im Stadtteil mal wieder bestens gelungen. Fortsetzung folgt.

 

Text und Fotos: Gudrun Heyder

 

 

 

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