21.07.2016

„Wir blicken jetzt nach vorne“

Der Flur der Hünxer Str. 372 nach dem Brand..

Die Kreativen im KQL haben ihren Schock nach dem Großbrand im Gesundheitshaus überwunden und suchen nun mit vereinten Kräften und viel Unterstützung nach neuen Atelierräumen.


Künstlerin Ulrike Int-Veen, deren Atelier und Malschule vernichtet wurden, berichtet im Interview mit Gudrun Heyder über die aktuelle Situation. Das Gesundheitshaus ist nicht mehr nutzbar und wird abgerissen. Damit fehlt den Kreativen auch ein Ort für Ausstellungen und Aktionen wie das „open house“ sowie kulturelle Projekte in Lohberg.


Wie geht es Dir und den anderen KünstlerInnen zwei Wochen nach dem Brand?


Ulrike Int-Veen: Es ist so, wie es ist. Wir haben den Schock über dieses Desaster überwunden und beginnen damit, uns neu aufzustellen. Ich habe genug geweint und gezweifelt und bin zuversichtlich, dass wir eine gute Lösung finden. Wir sind alle sehr traurig, weil das Gesundheitshaus unser künstlerisches Zuhause war, in dem wir nicht nur gearbeitet haben, sondern uns ausgetauscht haben und uns verbunden fühlten.


Wie viele Eurer Kunstwerke konntet Ihr retten?


Ich war an dem Abend, als es brannte, zufällig vor Ort und konnte noch geistesgegenwärtig meine ganz aktuellen Arbeiten rausholen. Auch eine wichtige Mappe mit Werken, die ich letztes Jahr auf Kreta gemalt habe, ist unbeschädigt. Einiges konnte ich noch aus dem Lager bergen. Aber vieles ist zerstört. In meinen zweiten Raum kann ich gar nicht rein, weil er einsturzgefährdet ist.


Wie sieht es bei den KollegInnen aus?


Judith Anna Schmidt konnte auch einiges retten, weil ihr Atelier im weniger betroffenen Erdgeschoss liegt. Auch dort ist aber alles rauchig und stinkig. Doris Kook, deren Atelier wie meins im ausgebrannten Obergeschoss liegt, bleibt zumindest ein Teil ihrer Bilder und Skulpturen erhalten. Und der Fotograf Ralf Halley steht vor dem Verlust seiner gesamten Studioausrüstung.


Wie geht es nun mit Deiner Malschule „Magenta“ weiter?


In zwei Wochen beginnt meine Sommerpause. Bis dahin können wir in abgetrennten Räumen in der Zentralwerkstatt arbeiten, an der Stirnseite Richtung Förderturm. Da ist viel Platz und wir können uns austoben. Das ist aber nichts auf Dauer, weil wir keine Toiletten und kein Wasser haben, das holen wir derzeit aus dem Sozialgebäude. Ab September brauche ich neue Unterrichtsräume. Da bin ich Unternehmerin: Meine Kursteilnehmerinnen sind meine Kunden, und wenn ich nicht unterrichten kann, bleiben sie aus. Viele haben mir versichert, dass sie auch weiterhin bei mir bleiben wollen.


Sind schon geeignete Räume in Sicht, auch für die drei anderen KünstlerInnen?


Wir suchen mit vereinten Kräften und bekommen viel Unterstützung, unter anderem vom städtischen Projektleiter des KQL Alexander Selbach, der einige Optionen prüft. In der Gartenstadt gibt es nichts Passendes. Ein leer stehendes Haus war ungeeignet und ins Ledigenheim könnte ich nur für kurze Zeit. Unser oberstes Ziel ist jedoch, auf dem Zechengelände zu bleiben und dort gemeinsam mit den im Sozialgebäude ansässigen Kolleginnen die künstlerische und kulturelle Arbeit unseres Vereins KREATIVE im QUARTIER LOHBERG e.V. fortzusetzen.
 

Wäre das auch eine vorübergehende Perspektive?

 

Nein, denn wir möchten dauerhafte Räumlichkeiten finden und nicht bald wieder umziehen müssen. Wir sind ja schon einmal aus der Lohn- und Lichthalle ins Gesundheitshaus umgezogen. Ich habe den Eindruck, dass sich alle ernsthaft bemühen, etwas Geeignetes für uns zu finden. Wir Kreative haben das KQL mit unseren Aktivitäten seit vielen Jahren interessant gemacht, es bespielt und belebt. Ich hoffe, dass diesem Engagement nun Rechnung getragen wird.


Das heißt, auf Schock und Trauer folgt nun Optimismus?
 

Ja. Ich weiß, dass ich das schaffen werde. Schließlich kann ich immer noch malen und neue Bilder werden entstehen. Und was uns sehr hilft, ist die große moralische und tatkräftige Unterstützung, die wir von allen Seiten erhalten.

Eine spontane Reaktion war Walburga Schild-Griesbecks Sonderverkauf von Kunstwerken in ihrem Atelier freiart im verschont gebliebenen Sozialgebäude. Der Reinerlös geht an den Verein KREATIVE im QUARTIER LOHBERG e.V. und wird für den Wiederaufbau verwendet. Wie ist diese Aktion gelaufen?


Es sind keine Massen dorthin geströmt, aber wir freuen uns über jede Hilfe und Unterstützung.

Projektgemeinschaft und Förderer RAG Dinslaken Ziel2.NRW Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen Europäische Union NWE CREATIV.NRW ecce Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen