14.07.2013

Führung für Fotobegeisterte auf der Zeche Lohberg - Auf der Jagd nach guten Fotomotiven!

Die ehemalige Zeche Lohberg, die sich zum Kreativ.Quartier wandelt, bietet eine Fülle spannender Fotomotive. Erstmalig in diesem Jahr konnten interessierte Fotografen aus der Region bei einer fotografischen Führung zu den größtenteils denkmalgeschützten historischen Industriebauten viel Wissenswertes erfahren und selbst in Ruhe ihre Kameras zücken. Kurz vor Beginn der neuen Bauarbeiten nutzten etwa 30 Teilnehmende die Gelegenheit, unter bergrechtlicher Begleitung auf Entdeckungstour zu gehen. Von diesem Sommer an entstehen auf dem Gelände der Bergpark und der Lohberg Corso, ein Rad- und Fußweg, der das gesamte Areal erschließt.


Nach der ersten großen Abrissphase der letzten Jahre, in der nicht nachnutzbare Gebäude zurückgebaut wurden, bot sich nun ein interessantes Landschaftsbild: Große Raumskulpturen wie Rundeindicker, Kohlenmischhalle und Wasserturm liegen in planer Ebene und lassen noch auf keine spätere Nutzungsart Rückschlüsse ziehen. Das eröffnete Freiraum für Ideen und besondere Blicke, die fotografisch festgehalten werden sollten.


Die Teilnehmenden erhielten an einzelnen Stationen kurze Einführungen zu beliebten Fotomotiven des Zechenstandortes, um dann die Motive für eigene Aufnahmen auszuwählen. Sie konnten zwischen den thematischen Schwerpunkten alte Bergmannswelt, Architektur und Landschaft sowie Entwicklungsleitbild und Zwischennutzungen wählen.


Größter Kleiderschrank Dinslakens

Die bergmännische Fotoführung betreute Norbert Bruckermann, ehemaliger Bergmann und erster Vorsitzender des Fördervereins „Fördertürme Bergwerk Lohberg e.V.“. Der Schwerpunkt dieses Rundganges lag auf der jetzt verlassenen Arbeitswelt. Bruckermann führte sein Gäste über das gesamte Zechengelände und unterhielt sie mit Anekdoten aus der Arbeitswelt. Die Teilnehmenden nahmen den höchsten Förderturm der Region vor die Linse und bewunderten unter anderem den ehemals größten Kleiderschrank Dinslakens: Über 10.000 Kleiderhaken - je zur Hälfte für die Straßen- und die Arbeitskleidung - befanden sich früher in dem äußerlich unscheinbaren grünen Kasten der Waschkaue, in der die Bergleute ihre tägliche Arbeit begannen.


Backsteingotik und Maschinenhalle

Stadtplanerin Anja Sommer zeigte den Fotografen, darunter auch Dinslakens Bürgermeister Dr. VORNAME Heidinger, auf ihrem Rundgang besondere architektonisch-baukonstruktive Qualitäten der Gebäude und Stahlkonstruktionen und landschaftlich überraschende Ansichten.


Die Gästeführerin erklärte beispielsweise, welche Kennzeichen der Norddeutschen Backsteingotik die Doppelmaschinenhalle von Schacht 1 aufweist und welche Bedeutung die Stahlstrebenpfeiler dieses Schachtes für die Entwicklung des Bauingineurwesens hatten. Die ungewöhnliche Dachkonstruktion der Zentralwerkstatt und die besondere Beziehung des Architekten Fritz Schupp zu seinem Fördergerüst der Schachtanlage 2 waren weitere Glanzpunkte dieser Führung. Die Teilnehmenden waren begeistert, so viel über Baustile, Stahlbaukonstruktionen und architektonische Details zu erfahren. Ebenso gut gefiel ihnen die Landschaftserkundung, die eine überraschende Biotopansicht bot.


Die derart inspirierten Fotografen zeigten sich nach der Führung gegenseitig ihre originellen und qualitätvollen Ergebnisse: Die große Bandbreite der Motive reichte von Detailablichtungen über schwarz-weiß kontrastierte Kunstwerkinterpretationen bis hin zu Aufnahmen mit Fischauge-Objektiven, um etwa den Kessel eines trocken gelegten Absetzbeckens optisch einzufangen.


Industriekultur und Kreativwirtschaft

Standortmanagerin Svenja Noltemeyer gab ihrer Gruppe Einblicke in die zukünftige wirtschaftliche und kulturelle Nutzung des Areals und dessen regionale Bedeutung. Zudem erläuterte die Raumplanerin die kreativen Zwischennutzungen der letzten Jahre, die das frühere Zechengelände immer wieder belebt haben. Die Teilnehmenden erfuhren, welche Bedeutung die Zeche inzwischen unter dem Aspekt der der kreativwirtschaftlichen Neunutzung hat und was Industriekultur heute bedeutet. Die zehn Kreativquartiere im Ruhrgebiet sind aus der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 hervorgegangen. Noltemeyer vermittelte, was es bedeutet, einen kreativwirtschaftlichen Standort aufzubauen und welche Standortbedingungen nötig sind.
Bei der Besichtigung leerer Bauten konnten die Fotografen Fotos der bisherigen Zwischennutzungen betrachten und meinten übereinstimmend: „Das ist sehr interessant, weil sich unmittelbar nachempfinden lässt, welche Potenziale die Räume haben.“ Deutlich sichtbar wurde, wie viel mit wenigen Mitteln, vor allem gezielt eingesetztem Licht, fotografisch zu erreichen ist.


In den zwei Stunden entstanden zahlreiche Fotos, die historische Gebäude, Landschaft und noch brachliegendes Gelände in immer wieder anderen Perspektiven zeigen. Die Teilnehmenden dankten ihren drei kundigen Führern für die spannende und ergebnisreiche Expedition.

 

 

 

 

 

 

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